Max Liebermann: Der erste Sport-Instagramer!

| Sport meets Hochkultur |

„Reiten, Tennis, Polo: Max Liebermann und der Sport.“ Ausstellung in der Liebermann-Villa am Wannsee, noch bis zum 26.6.2017

Es hält sich das Gerücht hartnäckig, Leibesübungen und die höheren geistigen Sphären würden nicht so Recht zueinander passen. Dass das Quatsch ist, weiß jeder, der den „Nach dem Joggen kann man sich so gut konzentrieren“-Effekt kennt, auch die Wissenschaft hat unterdessen belegt, dass regelmäßige Bewegung auch im Köpfle das Leistungsvermögen steigert.

Keine falsche Scheu also, sich an die Hochkultur heranzuwagen – vor allem, wenn die schönen Künste und Sport auch noch Hand in Hand gehen. Wie etwa bei der Ausstellung „Max Liebermann und Sport“ in der grandiosen Liebermann-Villa am Wannsee. Die Villa ist eines der schönsten Ausflugsziele Berlins, die sollte man sowieso gesehen und genossen haben.

Liebermann (1847 – 1935, geboren und gestorben in Berlin) ist einer der bedeutendsten Maler und Grafiker des Impressionismus, und er war der erste, der sich in zahlreichen Gemälden mit dem Thema Sport auseinandersetzte. Sport war zu Liebermanns Lebzeiten nicht wie heute allgemeiner „Lifestyle“, sondern kam als Massenphänomen gerade erst auf. Die Sportwelle schwappte um die Jahrundertwelle aus England herüber. Etabliert waren in Deutschland damals zwar schon die Turnvereine, die jedoch eine stark politische, nationalistische Ausrichtung hatten, wie etwa die Turnerbewegung von Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn. Turnvater Jahn war ein ausgewiesener Antisemit und Nationalist, der Turnen als kriegsvorbereitende Maßnahmen begriff.

Liebermann hat sich ebenfalls politisch sehr klar positioniert: Der heute noch genutzte Spruch „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“ wird ihm zugeschrieben, er soll ihn beim Betrachten des Fackelzugs zu Adolf Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 geäußert haben.

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Max Liebermann: Tennisspieler. Angermuseum Erfurt, Foto: Dirk Urban

Aber zurück zum Sport: In England war man zu Liebermanns Zeit weiter, dort war Sport schon länger als Freizeitgestaltung etabliert. Auch wenn nur die oberen Klassen die Muse und das nötige Kleingeld hatten, auf dem Tennisplatz das Racket zu schwingen.

Auf dem Kontinent nahm man das englische Sporteln anfangs eher mit Verwunderung zur Kenntnis, wie aus einer Notiz des österreichischen Schriftstellers Michelangelo von Zois belegt:

„Männer, die von England kamen, wußten den staunenden Freunden zu erzählen, dass die Leute über dem Kanal, so vernünftig sie sonst auch seien, doch recht kindlichen Vergnügungen huldigen. So unterhalten sich junge Leute, einen Lederball auf einer Wiese herumzustoßen, andere wieder schlügenmit einer Art Praker (Teppichklopfer)
den Ball über ein Netz (…)“

aus Michelangelo von Zois: Das Training des Rennfahrers. Berlin ca. 1908

Die Ausstellung „Reiten, Tennis, Polo“ untersucht nun erstmals Max Liebermanns Blick auf Bewegung und Sport. Die Gemäldeschau bietet dabei einen über Liebermann hinausgehenden Blick auf die Geschichte des Sports in der Kunst. Neben Liebermanns Werken werden Gemälde von Gustave Caillebotte und Edgar Degas gezeigt, außerdem Werke von Max Slevogt, Reneé Sintenis, Ernst Oppler und weiteren.

Impressionismus. Farbe und Licht. Kennt ihr, von den Instagram-Filtern

Der Rest ist Geschichte – bis zum heutigen Status quo mit ungezählten Running / Yoga / Fitness-Instagramern, die uns täglich mit neuen Bildern aus aller Welt versorgen, ist es noch ein langer Weg.

Man könnte Liebermann aber als den ersten Sport-Instagramer Deutschlands bezeichnen: Seine Bilder sind wunderschön anzusehende Bewegungsstudien, bei denen Farbe und Licht im Sinne des Impressionismus eine entscheidende Rolle spielen. Farbe und Licht, kennt ihr, von den Instagram-Filtern. Also kommt und schaut, wie es der Meister gemacht hat.

Ausstellung Max Liebermann
Max Liebermann und der Sport, Ausstellung in der Liebermann Villa am Wannsee

Infos: Ausstellung noch bis zum 26.6.1975. Anfahrt, Eintrittspreise, Öffnungszeiten: Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin

(C) Artikelfoto: Privatbesitz

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