Wrestling in Berlin: „Ich bin der Böse“

| Wrestling-Hauptstadt Berlin |

Die deutsche Wrestlingwelt konzentriert sich in Berlin, jeden Monat gibt es Veranstaltungen und Wettkämpfe. Koray, 21, Student und geborener Kreuzberger, kämpft mit – und gibt im Ring den Bösen.

// Koray, wie kommt dazu, Wrestler zu werden? Das ist ja nicht gerade ein gewöhnlicher Sport.

Als kleiner Junge habe ich Wrestling das erste Mal im Fernsehen gesehen und war sofort total geflasht davon. 2008 hab ich meine Idole live gesehen, und dann wollte ich es selber machen. Ich bin dann auf die GWF hier in Berlin gestoßen, hab ein Probetraining gemacht und dann hat es sich entwickelt.

Wresteln bei euch auch Frauen?

Drei, ja. Eine von ihnen ist Blue Nikita, eine der besten europäischen Wrestlerinnen, wenn nicht sogar die beste.

Die Frage aller Fragen beim Wrestling: Wie viel ist Show, wie viel ist echter Kampf?

Bei den amerikanischen Kämpfen, bei denen die TV-Einschaltquoten eine sehr viel größere Rolle spielen, ist der Showanteil höher. In Europa ist es anders herum. Wir sind nicht auf Pro7, wir müssen nicht auf Einschaltquoten achten, sondern die Livezuschauer begeistern. Da stehen die Kämpfe viel mehr im Vordergrund. Klar gibt es Showeinlagen, aber es ist schon hart. Die Schmerzen sind auf je- den Fall echt!

Wie wird ein Kampf bewertet?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einmal durch den Pinfall, bei dem man den Gegner mit den Schultern so lange auf den Boden drückt, bis der Schiedsrichter abzählt, bis drei. Dann gibt es Aufgabegriffe, aus denen der Gegner nicht mehr herauskommt und aufgeben muss, indem er dreimal auf den Boden klopft. Und man kann disqualifiziert werden.

Dürft ihr im Ring alles machen, wie beim Cage Fight, oder gibt es Regeln?

Klar gibt es Regeln, wir dürfen zum Beispiel nicht mit der geschlossenen Faust, den Ellbogen oder den Unterarmen schlagen. Wrestling ist von den Re- geln her wie Boxen, nur spannender, weil man noch treten darf.

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(c) beide Bilder: GWF

Bei den amerikanischen Shows hat man das Gefühl, dass die Gegner eine gemeinsame Choreografie aufführen, wenn der eine ganz zufälligerweise halb bewusstlos in den Bereich taumelt, in den der andere gerade von den Ringseilen aus springen will.
Klar, wie gesagt, in den USA ist das anders. Aber wir lernen beim Wrestling ja auch gerade, wie man sich verhält, wenn man angenockt ist oder wie man richtig fällt. Denn wenn man hochgenommen und geworfen wird, fällt man lieber richtig anstatt sich blöde zu wehren und sich dann beim Fallen den Schultergürtel oder das Gelenk zu brechen.

Warst du schon einmal K.o.?

Ich war schon einige Male ziemlich angeschlagen und mit Blutergüssen übersät. Bei Matches hab ich bisher immer Glück gehabt und bis auf Prellungen nicht viel abbekommen. Im Training hab ich mich allerdings schon häufiger verletzt, Sprunggelenk gebrochen, Bänder gerissen, Wirbelsäule verletzt, alles schon dagewesen.

Wie sind denn die Wrestlingfans in Berlin drauf? Flippen die auch so aus wie in den USA?

Absolut, teilweise noch härter. Wir haben wirklich super Fans in Berlin. Die gehen absolut mit. Es gibt ja die guten und bösen Jungs bei den Wrestlern, und je nach dem, wer da gerade zum Ring marschiert, reagieren die Zuschauer.

Und du bist einer der Guten?

Nein, ich bin einer der Bösen. Ich bin so in etwa der tasmanische Teufel: verrückt, böse, rücksichtslos, völlig durchgeknallt. Und wenn es sein muss, beiße ich den Gegner auch. Ich kenne einfach keine Gnade.

Aha. Du würdest deinem Gegner aber nicht das Ohr abbeißen, nehme ich mal an?

Wer mich nicht provoziert, dem beiße ich auch kein Ohr ab.

Infos: www.gwf-wrestling.com

(Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.urbanite.net)

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